Vicky

Vicky? Wer oder was ist Vicky?

Vicky ist ein Weizensauerteigbrot aus dem “Brotmagazin” 03/2021. Das Rezept habe ich vor kurzem Nachgebacken und meine Erfahrungen dabei möchte ich euch natürlich nicht vorenthalten. Schon beim ersten Durchblättern der Rezepte war mir klar, dass ich Vicky unbedingt nachbacken wollte. Zum einen, weil es ein reines Weizensauerteigbrot ist, nur mit Weizenmehl und ganz ohne zusätzliche Hefe. Zum anderen, da es eine fast 24-stündigen kühlen Gare beinhaltet. Da ich bis jetzt noch nie ein Brot mit so einer langen Gare gebacken habe, war ich schon neugierig, was das am Ende für ein Brot wird.

Als Mehl wird hier nur Weizenmehl verwendet, Typ 550 und 1050. Daher wollte ich natürlich auch Wilma, meinen Weizensauerteig, für das Rezept verwenden. Nur leider war Wilma bis jetzt immer ein bisschen träge und ist nie so stark aufgegangen, wie Roland der Roggensauerteig. Und da in dem Rezept keine zusätzliche Hefe zur Unterstützung verwendet wird, hatte ich ein bisschen Angst, dass Wilma noch nicht stark genug ist, das Brot alleine zu führen. Ich habe mich daher entschieden, ihr sozusagen ein bisschen Starthilfe zu geben, indem ich sie vorher zweimal füttere. Der Weizensauerteig soll laut Rezept etwa 12-20 Stunden bei Raumtemperatur gehen. Ich habe also das Anstellgut am Abend zuvor bereits einmal gefüttert und über Nacht stehen lassen. Am nächsten Morgen habe ich dann von dem frisch gefütterten Anstellgut die benötigte Menge für den Sauerteig abgenommen und für das Brot angesetzt. Diese habe ich dann bis abends, etwas mehr als 12 Stunden gehen lassen. Er hat sich tatsächlich gut verdoppelt. Der Sauerteig wird dann mit weiterem Mehl, Wasser und Salz zum Brotteig geknetet. Laut Rezept soll man den Teig insgesamt 20 Minuten mit der Maschine kneten, dabei wird erst in den letzten 5 Minuten das Salz hinzugegeben. Bei diesem Teig hatte ich dann tatsächlich so ein richtiges WOW-Erlebnis. So eine Konsistenz hatte ich bisher auch noch nie. Der Teig war weich, aber nicht klebrig, glänzend und so unendlich dehnbar. Ich fühlte mich, als wäre ich im Brotteig-Himmel angekommen 😉 ich kann es gar nicht richtig beschreiben. Er hat sich jedenfalls richtig toll angefühlt und lies sich einfach super bearbeiten. Man braucht kaum Mehl, um den Teig auf der Arbeitsplatte zu formen. Unglaublich und kein Vergleich zu den vielen anderen Teigen, die ich vorher oft hatte, und die überall kleben blieben.

Der Teigling muss nach dem Kneten für etwa 60 Minuten bei Raumtemperatur gehen gelassen werden, bevor er dann auch schon geformt und ins Gärkörbchen zur Stückgare gegeben wird. Und beim Formen hatte ich keine Probleme mit dem Teig. Er war immer noch extrem geschmeidig und gut zu bearbeiten. Nach 60 Minuten Stückgare bei Raumtemperatur muss der Teigling für 20-24 Stunden zur kühlen Gare in den Kühlschrank gestellt werden. Es ging also erst am nächsten Abend weiter. Aber genau das macht dieses Brot auch sehr alltagstauglich. Man kann selbst unter der Woche, wenn man arbeiten muss, dieses Brot backen, da zwischen den einzelnen Schritten immer 20-24 Stunden liegen. Am nächsten Abend kommt das Brot dann direkt aus dem Kühlschrank in den Ofen und ist ruck zuck fertig.

Zugegeben, ganz so reibungslos verlief es bei mir dann doch nicht. Ein bisschen Aufregung muss halt dann doch immer sein 😉 Ich war total gespannt, wie sich das Brot im Kühlschrank entwickelt hat, nachdem sich der Teig so gut bearbeiten lies. Als ich das Brot jedoch aus dem Gärkörbchen auf den Einschießer gelegt habe und anfing, es anzuschneiden, ist es extrem auseinander gelaufen. Ich habe dann nur noch ein paar kleine Schnitte gemacht und das Brot schnell in den Ofen geschoben. Aber ich war total enttäuscht, dass es wieder ein Fladenbrot werden würde. Das hatte ich doch letztens erst. War es wieder Übergare? Vielleicht war es doch zuviel gewesen, den Sauerteig zweimal zu füttern? All das ging mir durch den Kopf und ich war echt deprimiert. So deprimiert, dass ich mir schon überlegte, welches Brot ich auf die schnelle noch als Ersatz backen könnte. Ich ging echt davon aus, dass das Brot nichts wird. Und doch bereitete mir Vicky eine weitere Überraschung. Das anfängliche Fladenbrot ist im Ofen doch noch extrem in die Höhe gegangen. So sehr, dass sich die Fladenbrot-Form nicht einmal mehr erahnen lies. Wenn man das fertige Brot sieht, glaubt mir wahrscheinlich kein Mensch, dass es fast ein Fladenbrot wurde. Ich hätte es echt fotografieren sollen. Aber daran habe ich vor lauter Frust nicht gedacht. Auf jeden Fall war ich überglücklich und der Abend war gerettet. Das fertige Brot kann sich auch echt sehen lassen.

Es schmeckt ein bisschen, wie eine Mischung aus klassischem Weißbrot und Ciabatta, ein mediterranes Weißbrot, würde ich fast sagen. Es passt perfekt zu herzhaften Belägen, vor allem zu Schinken, aber auch mit Marmelade oder Nutella richtig lecker. Wenn es ein paar Tage alt ist, könnte ich es mir auch richtig gut als Bruschetta mit Tomaten, Knoblauch und Olivenöl vorstellen. Ein bisschen in der Pfanne angeröstet, hmmm.

Ich habe euch hoffentlich Hunger und Lust darauf gemacht, dieses Rezept auszuprobieren? Viel Spaß beim Nachbacken und bis bald, eure Bici.

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